So retten wir Ihr gesperrtes Amazon-Produkt
Amazon-ASIN gesperrt? Wir prüfen IP-Beschwerde, Policy-Verstoß und Gegenansprüche, setzen die Entsperrung durch und sichern Schadensersatz.
Amazon hat Ihr Produkt aus dem Katalog genommen - ohne Vorwarnung und ohne nachvollziehbare Begründung. Ihr Bestseller generiert keinen Umsatz mehr, laufende Werbekampagnen sind gestoppt, und das mühsam aufgebaute Ranking verfällt mit jedem Tag. Gleichzeitig laufen die FBA-Lagerkosten für Ware weiter, die Sie nicht mehr verkaufen können. Unsere Rechtsberatung im IT-Recht ordnet solche Plattformmaßnahmen rechtlich und operativ ein.
Dieser Leitfaden beantwortet drei Fragen:
- Warum sperrt Amazon ASINs - und wann ist eine Sperrung angreifbar?
- Was müssen Sie in den ersten Tagen tun, um Ihre Position nicht weiter zu schwächen?
- Welche juristischen Hebel erzwingen die Entsperrung - und wie holen Sie entgangenen Gewinn zurück?
Darf Amazon Ihre ASIN einfach sperren?
Sperren ja, aber nicht ohne Begründung - und genau an dieser Stelle scheitert Amazon regelmäßig.
Die P2B-Verordnung der EU verpflichtet Amazon nach Art. 4, bei jeder Einschränkung eines Angebots die konkreten Gründe mitzuteilen und dem betroffenen Händler eine Möglichkeit zur Stellungnahme einzuräumen.
Ergänzend verlangt Art. 17 des Digital Services Act, dass Amazon als sehr große Online-Plattform jede Maßnahme gegen ein Angebot ohne unangemessene Verzögerung und in klarer Sprache begründet.
In der Praxis sieht es anders aus.
Der Bundesgerichtshof hat in seiner Entscheidung vom 23. April 2024 klargestellt, dass Amazon eine überragende marktübergreifende Bedeutung im Sinne des §19a GWB besitzt und damit der verschärften Missbrauchsaufsicht unterliegt.
Konkret bedeutet das: Amazon darf einzelne Listings nicht pauschal deaktivieren, ohne den konkreten Verstoß nachvollziehbar zu benennen.
Wer eine ASIN-Sperrung erhält, hat Anspruch auf eine individuelle Begründung - und wenn diese fehlt oder unzureichend ist, eröffnet das konkrete Angriffspunkte.
Betrifft die Maßnahme nicht nur einzelne Produkte, sondern den gesamten Account, geht es um Hilfe bei gesperrtem Amazon-Verkäuferkonto.
Warum die Unterscheidung zur Kontosperrung entscheidend ist
Eine ASIN-Sperrung betrifft ein einzelnes Produkt oder eine Produktgruppe - nicht den gesamten Verkäufer-Account.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Ursache.
Die häufigsten Gründe für eine ASIN-Sperrung
Die meisten ASIN-Sperrungen folgen einem von fünf Mustern. Wer den konkreten Auslöser kennt, kann gezielter reagieren - und vermeidet die typischen Fehler bei der Gegenvorstellung.
Schutzrechtsverletzungsmeldung durch einen Rechteinhaber
Ein häufiger Grund für ASIN-Sperrungen: Ein Dritter meldet über Amazons Brand Registry oder das Infringement-Formular eine angebliche Verletzung geistigen Eigentums.
Auf Meldungen von Rechteinhabern reagiert Amazon regelmäßig mit Maßnahmen gegen betroffene Angebote und kann diese vorübergehend sperren; eine pauschale, sofortige Deaktivierung der gesamten ASIN erfolgt nicht zwingend.
Amazon benachrichtigt Verkäufer, wenn ein Rechteinhaber über das Meldesystem eine mutmaßliche Schutzrechtsverletzung meldet. Amazon leitet die bei der Meldung übermittelten Angaben an die beteiligten Parteien weiter; welche Felder genau in der kontospezifischen Benachrichtigung erscheinen, ist nicht öffentlich standardisiert und kann variieren.
Für den Händler stellt sich sofort die zentrale Frage: Ist die Meldung berechtigt - oder handelt es sich um eine unberechtigte Schutzrechtsverwarnung?
Ein Sonderfall mit eigenen Spielregeln ist die Echtheitsbeanstandung: Hier zweifelt Amazon die Echtheit der Ware selbst an, meist ausgelöst durch Kundenbeschwerden zur Produktechtheit, und verlangt Lieferantenrechnungen statt einer Gegenvorstellung. Beruht die Sperrung auf solchen Echtheitszweifeln, entscheidet die Aufbereitung der Lieferkettennachweise über die Freischaltung. Wie wir in diesen Fällen vorgehen, zeigt unsere Seite zur Amazon-Echtheitsbeanstandung.
Missbräuchliche IP-Beschwerden durch Konkurrenten
Ein zunehmendes Problem auf Amazon: Wettbewerber nutzen das Beschwerdesystem gezielt, um Konkurrenzprodukte vom Marktplatz zu drängen. Die Methode ist einfach und effektiv. Der Konkurrent meldet eine Marke an - oft ohne echte Benutzungsabsicht und gezielt auf generische Produktbegriffe.
Das OLG Nürnberg hat im Urteil vom 17.12.2024 (Az. 3 U 1284/24, GRUR 2025, 1513) entschieden, dass eine unberechtigte Schutzrechtsverletzungsanzeige bei Amazon einen Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb darstellt und Schadensersatzansprüche aus § 823 Abs. 1 BGB begründet.
Das Landgericht Stuttgart hat mit Beschluss vom 28. Januar 2026 (Az. 17 O 7/26) entschieden, dass eine Markenanmeldung ohne Benutzungsabsicht, die der gezielten Behinderung von Mitbewerbern auf Amazon dient, eine rechtsmissbräuchliche Schutzrechtsverwarnung darstellt.
Unberechtigte Schutzrechtsverwarnungen können als gezielte Behinderung nach § 4 Nr. 4 UWG unlauter sein.
Für betroffene Händler bedeutet das: Wer Opfer einer solchen Attacke wird, steht nicht schutzlos da.
Designrechtsverletzungen und unwirksame Geschmacksmuster
Neben Markenrechtsbeschwerden nutzen Wettbewerber zunehmend Designeintragungen, um ASIN-Sperrungen auszulösen. Das Prinzip ist ähnlich: Ein Konkurrent meldet ein Design oder Geschmacksmuster an - häufig auf Basis eines generischen Produktdesigns, das keinerlei Eigenart besitzt - und reicht anschließend bei Amazon eine Verletzungsmeldung ein.
Besonders problematisch: Designeintragungen werden ohne materielle Prüfung eingetragen.
Beim DPMA und beim EUIPO wird lediglich eine Formprüfung durchgeführt.
Ein Design, das objektiv keine Eigenart besitzt, kann dennoch eingetragen werden und als Hebel für ASIN-Sperrungen dienen.
Die Gegenwehr erfordert hier einen Nichtigkeitsantrag beim zuständigen Amt oder eine einstweilige Verfügung wegen gezielter Behinderung.
Beides sind Instrumente, die ohne anwaltliche Begleitung kaum erfolgversprechend sind.
Compliance-Verstöße und Produktsicherheit
Amazon sperrt ASINs auch eigenständig, wenn interne Prüfsysteme einen Compliance-Verstoß feststellen.
Typische Auslöser sind fehlende oder fehlerhafte Produktsicherheitsinformationen, unvollständige GPSR-Angaben, fehlende CE-Kennzeichnungen oder Verdacht auf regulierte Inhaltsstoffe.
Seit Inkrafttreten der GPSR am 13. Dezember 2024 sind Online-Marktplätze verpflichtet, Listings ohne die erforderlichen Produktsicherheitsangaben zu deaktivieren; dies hat in der Praxis zu zahlreichen Sperrungen geführt.
Viele Händler berichten, dass Amazon ASINs gesperrt hat, obwohl die Sicherheitsinformationen korrekt hinterlegt waren - die Plattform zeigte sie schlicht nicht an. In diesen Fällen liegt der Fehler nicht beim Händler, sondern bei Amazons Datenverarbeitung.
Für Händler mit breitem Sortiment ist das besonders gefährlich: Wenn ein automatisierter Prüflauf gleichzeitig Dutzende oder sogar Hunderte ASINs deaktiviert, kann das auch ohne Kontosperrung einen erheblichen Teil des Tagesgeschäfts lahmlegen.
Algorithmische Fehlentscheidungen ohne echten Verstoß
Nicht jede ASIN-Sperrung beruht auf einem realen Problem.
In der Seller Central erscheint dann eine Meldung wie “Hohe Rate negativ bewerteter Rücksendungen” oder “Produktqualitätsbedenken” - oft ohne Bezug auf konkrete Bestellungen oder messbare Daten.
Für den Händler ist das gefährlich, weil er ohne konkreten Vorwurf kaum zielgerichtet reagieren kann.
Kaskadeneffekt bei Produktvarianten
Bei Parent-Child-Strukturen kann die Sperrung einer einzigen ASIN-Variante dazu führen, dass Amazon alle verknüpften Child-ASINs deaktiviert. Ein einzelnes gesperrtes Produkt kann so ein komplettes Sortiment von 15 oder mehr Varianten lahmlegen.
Was eine ASIN-Sperrung Sie wirklich kostet
Der unmittelbare Umsatzausfall ist nur ein Teil des Schadens. Eine ASIN-Sperrung löst eine Kette von Folgeeffekten aus, die sich gegenseitig verstärken und deren Gesamtschaden weit über den entgangenen Tagesumsatz hinausgeht.
Ranking-Verlust und Sichtbarkeitsspirale
Das Amazon-Ranking basiert auf Verkaufshistorie, Conversion-Rate und Kundeninteraktion.
Ab dem Moment der Sperrung fallen alle drei Faktoren auf Null.
Das Ranking-System von Amazon nutzt Nutzerinteraktionen wie Klicks und Käufe als zentrale Signale für die Relevanzbewertung; bleibt diese Aktivität aus, sinkt die Sichtbarkeit des Produkts in den Suchergebnissen erheblich.
Das bedeutet: Selbst wenn die ASIN nach zwei Wochen entsperrt wird, startet das Ranking nicht dort, wo es aufgehört hat, sondern deutlich tiefer - oft auf dem Niveau eines Neuprodukts.
Für Händler, die Monate oder Jahre in den Aufbau ihrer organischen Position investiert haben, ist das ein massiver Wertverlust. Ein Produkt, das vor der Sperrung auf Seite eins der Suchergebnisse stand, muss nach der Reaktivierung unter Umständen erneut durch Werbeausgaben und Aktionspreise hochgezogen werden.
Werbekampagnen und Budgetverlust
Mit der Sperrung werden alle laufenden Sponsored-Products- und Sponsored-Brands-Kampagnen für die betroffene ASIN automatisch pausiert.
Das betrifft nicht nur den direkten Umsatz über bezahlte Platzierungen, sondern auch die gesamte Kampagnenhistorie. Optimierte Keywords, Gebotsstrategien und Conversion-Daten gehen verloren oder werden entwertet. Nach der Reaktivierung müssen Kampagnen praktisch neu aufgebaut werden - mit entsprechendem Zeitaufwand und höheren Anlaufkosten.
FBA-Lagerkosten ohne Umsatz
Ware, die im FBA-Lager liegt und nicht verkauft werden kann, verursacht weiterhin Lagergebühren.
Die Kosten steigen mit der Lagerdauer: Im vierten Quartal können die Sätze für bestimmte Produktkategorien und bei hohem Lagernutzungsgrad auf über 42 Euro pro Kubikmeter ansteigen.
Bereits nach 271 Tagen, beziehungsweise nach 331 Tagen je nach Kategorie, erhebt Amazon einen Zuschlag für veralteten Lagerbestand, der ab 365 Tagen Lagerdauer nochmals deutlich ansteigt.
Für Händler mit größeren Beständen entstehen so innerhalb weniger Wochen erhebliche Kosten - bei Null Umsatz.
Kaskadeneffekt bei Produktvarianten
Amazon bietet Parent-Child- oder Varianten-Listings an, mit denen Händler verschiedene Varianten eines Produkts, etwa Farbe oder Größe, auf einer gemeinsamen Produktdetailseite zusammenfassen können.
Wenn Amazon die Parent-ASIN oder auch nur eine einzelne Variante sperrt, kann das dazu führen, dass alle verknüpften Child-ASINs ebenfalls deaktiviert werden.
Ein einzelnes gesperrtes Produkt kann so das gesamte Variantensortiment lahmlegen.
Reputations- und Vertrauensschäden
Ein plötzlich nicht mehr verfügbares Produkt wirft Fragen auf - bei Stammkunden, bei Geschäftspartnern und bei Lieferanten. Für Händler, die unter einer eigenen Marke verkaufen, ist der Reputationsschaden besonders problematisch. Kunden, die das Produkt nachbestellen wollen und es nicht finden, weichen auf Wettbewerber aus und kommen oft nicht zurück.
Ihre ASIN wurde gesperrt? Kostenfreie Ersteinschätzung in 24 Stunden.
Kostenlose Anfrage- Kostenlos beraten
- Kein Risiko, 100% vertraulich
Was Sie jetzt tun müssen: Sofortmaßnahmen bei einer ASIN-Sperrung
Die richtige Reaktion hängt entscheidend davon ab, warum die ASIN gesperrt wurde. Bei einer Schutzrechtsverletzungsmeldung durch einen Dritten ist der Weg ein anderer als bei einer internen Compliance-Prüfung durch Amazon.
Ursache identifizieren und Beweise sichern
Prüfen Sie in der Seller Central unter “Leistung” > “Zustand des Verkäuferkontos”, welcher Grund für die Sperrung angegeben wurde. Sichern Sie Screenshots der Sperrungsmitteilung, der betroffenen ASIN, der Beschwerde-ID und des bisherigen Nachrichtenverlaufs. Wenn eine IP-Beschwerde vorliegt, dokumentieren Sie den Namen der meldenden Partei und die genannte Beschwerde-ID.
Keine vorschnelle Reaktion
Reichen Sie keine übereilte Gegenvorstellung ein. Bei Amazon gilt: Jede Einreichung wird in der Akte dokumentiert. Ein schlecht formulierter erster Versuch schadet mehr, als er nützt. Warten Sie, bis Sie den konkreten Vorwurf verstanden haben und eine fundierte Strategie steht.
Berechtigung der Beschwerde prüfen
Wenn die Sperrung auf einer Schutzrechtsverletzungsmeldung basiert, klären Sie zuerst: Gibt es tatsächlich ein Schutzrecht, das verletzt sein könnte? Ist die angemeldete Marke oder das Design schutzfähig? Wurde das Schutzrecht erst kürzlich angemeldet - möglicherweise ohne echte Benutzungsabsicht? War Ihr Produkt vor der Markenanmeldung bereits auf dem Markt?
Bei einer IP-Beschwerde über Brand Registry oder eine unberechtigte Markenbeschwerde ist die ASIN-Sperre meist nur die operative Oberfläche. Juristisch geht es dann um das Amazon-Infringement-Verfahren: Wer hat gemeldet, welches Schutzrecht wurde genannt, ist eine Retraction erreichbar und muss parallel gegen eine bösgläubige Markenanmeldung vorgegangen werden?
Rücknahme der Beschwerde erwirken
Bei unberechtigten IP-Beschwerden ist der schnellste Weg zur Entsperrung die Rücknahme der Beschwerde durch die meldende Partei selbst. In manchen Fällen beruht die Beschwerde tatsächlich auf einem Missverständnis und lässt sich direkt klären. Wenn die Gegenseite jedoch nicht kooperiert oder Geld für die Rücknahme verlangt, ist das ein starkes Indiz für missbräuchliches Verhalten - und der Punkt, an dem die juristische Eskalation beginnt.
- Emotional auf die Beschwerde reagieren – Weder Amazon noch die Gegenseite emotional anschreiben. Jede Nachricht wird dokumentiert und kann gegen Sie verwendet werden.
- Vorschnell eine Gegenvorstellung einreichen – Eine schlecht begründete Gegenvorstellung senkt Ihre Erfolgschancen. Amazon wertet jeden Versuch.
- Auf eine Geldforderung der Gegenseite eingehen – Zahlungen an Brand-Trolle lösen das Problem nicht dauerhaft und bestätigen das Geschäftsmodell des Erpressers.
- Listing-Daten im gesperrten Zustand ändern – Änderungen an Titel, Bildern oder Beschreibung während einer laufenden Prüfung können als Verschleierung gewertet werden.
Tipp von Rechtsanwalt Dr. Sener Dincer:
“Die meisten Händler machen den Fehler, sofort auf eigene Faust eine Gegenvorstellung bei Amazon einzureichen - oft unter Zeitdruck und ohne die Beschwerde juristisch eingeordnet zu haben. Dabei entscheidet gerade bei ASIN-Sperrungen die Frage, ob die IP-Beschwerde berechtigt war oder nicht, über den gesamten weiteren Verlauf: Muss ich reagieren - oder kann ich selbst Ansprüche gegen die Gegenseite geltend machen? Diese Weichenstellung sollte nicht auf Basis einer Amazon-Standardmitteilung getroffen werden.”
Wenn Amazon nicht einlenkt: Juristische Hebel gegen die ASIN-Sperrung
Wenn die Gegenvorstellung bei Amazon erfolglos bleibt oder die Sperrung auf einer missbräuchlichen Beschwerde beruht, stehen Ihnen juristische Mittel zur Verfügung, die deutlich über das Amazon-interne Verfahren hinausgehen.
Abmahnung der Gegenseite
Wenn eine Schutzrechtsverletzungsmeldung unberechtigt war, kann die Gegenseite abgemahnt werden.
Die Rechtsgrundlage bildet die Figur der unberechtigten Schutzrechtsverwarnung.
Wer unberechtigt eine Schutzrechtsverletzung behauptet und damit eine ASIN-Sperrung bei Amazon auslöst, greift in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb des betroffenen Händlers ein und ist nach §823 Abs. 1 BGB zum Schadensersatz verpflichtet.
Die Abmahnung verfolgt zwei Ziele: Erstens die Rücknahme der Beschwerde bei Amazon, damit die ASIN schnellstmöglich entsperrt wird. Zweitens die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung, damit dieselbe Masche nicht wiederholt wird.
Eine Schutzrechtsverletzungsanzeige bei Amazon kann als Eingriff in den Geschäftsbetrieb nach § 823 Abs. 1 BGB einer unberechtigten Abmahnung gleichgestellt werden, ohne dass eine vorherige direkte Abmahnung des Händlers erforderlich wäre.
Für die Praxis ist deshalb entscheidend, ob die Schutzrechtsanzeige inhaltlich unberechtigt war und in den Geschäftsbetrieb eingegriffen hat. Dann kann bereits die Plattformmeldung selbst Haftungsrisiken für die meldende Partei auslösen.
Einstweilige Verfügung im Eilverfahren
Wenn die Abmahnung nicht wirkt oder die wirtschaftlichen Schäden zu groß werden, kann die Entsperrung über eine einstweilige Verfügung erzwungen werden.
Das Eilverfahren richtet sich in der Regel direkt gegen die meldende Partei - mit dem Ziel, die Rücknahme der IP-Beschwerde gerichtlich anzuordnen.
Bei wettbewerbsrechtlichen Ansprüchen wird die Dringlichkeit nach §12 Abs. 1 UWG vermutet. Ein gesonderter Nachweis der Eilbedürftigkeit ist häufig nicht erforderlich.
Genau deshalb ist es entscheidend, frühzeitig die Weichen zu stellen.
Schadensersatz für entgangenen Gewinn
Neben der Entsperrung können betroffene Händler auch den entstandenen wirtschaftlichen Schaden geltend machen.
Wenn die ASIN-Sperrung auf einer unberechtigten Beschwerde beruhte, hat die Gegenseite den entgangenen Gewinn zu ersetzen.
Wie schnell dabei relevante Summen zusammenkommen, zeigt ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf.
Praxisbezug: Schadensersatz nach unberechtigter Amazon-Meldung
Das Landgericht Düsseldorf hat in einem Verfahren (Az. 4b O 19/23) entschieden, dass unberechtigte Schutzrechtsverwarnungen gegenüber Amazon-Händlern Schadensersatzansprüche nach § 823 Abs. 1 BGB wegen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb begründen können.
Der konkrete Schaden hängt anschließend von Verkaufshistorie, Marge und Dauer der Sperrung ab. Gerade bei umsatzstarken Listings kann schon ein kurzer Ausfall wirtschaftlich erheblich sein.
Selbst bei kurzen Sperrungen summiert sich der Schaden bei umsatzstarken Produkten schnell auf fünfstellige Beträge.
Die Berechnung des entgangenen Gewinns stützt sich auf die Verkaufshistorie der gesperrten ASIN: durchschnittlicher Tagesumsatz, Gewinnmarge und Dauer der Sperrung.
Markenlöschung beim DPMA oder EUIPO
Wenn die ASIN-Sperrung auf einer Marke basiert, die erkennbar nur zur Behinderung von Mitbewerbern angemeldet wurde, kann die Löschung dieser Marke beantragt werden.
Das ist das langfristig stärkste Instrument gegen Brand-Trolle, weil es die Grundlage für zukünftige Beschwerden dauerhaft beseitigt.
Marken, die ohne echte Benutzungsabsicht und ausschließlich zur Behinderung von Wettbewerbern angemeldet wurden, können wegen Bösgläubigkeit nach §8 Abs. 2 Nr. 14 MarkenG gelöscht werden.
Ein Löschungsverfahren beim DPMA dauert mehrere Monate.
Es ist daher kein Sofortmittel, sondern eine strategische Ergänzung zur Abmahnung und einstweiligen Verfügung. Zusammen bilden alle drei Instrumente einen Dreiklang, der die Gegenseite sowohl kurzfristig als auch langfristig unter Druck setzt.
Der konkrete Ablauf mit unserer Kanzlei
So gehen wir in der Praxis vor, wenn wir die Entsperrung einer gesperrten ASIN übernehmen. Der Ablauf gibt Ihnen eine realistische Orientierung, wie wir die Beschwerde prüfen, die Gegenvorstellung aufsetzen und den Fall bei Bedarf juristisch eskalieren.
- 24 Stunden
1. Ersteinschätzung
Prüfung der Sperrungsmitteilung, Analyse der IP-Beschwerde, Bewertung der Schutzrechtslage.
- 2-5 Tage
2. Strategie & Gegenvorstellung
Juristisch fundierte Gegenvorstellung bei Amazon oder Abmahnung der Gegenseite mit Frist zur Rücknahme.
- 1-4 Wochen
3. Nachverfolgung
Monitoring der Amazon-Reaktion, Kommunikation mit der Gegenseite, ggf. Markenlöschungsantrag.
- Nach Bedarf
4. Gerichtliche Durchsetzung
Falls nötig: Einstweilige Verfügung, Schadensersatzklage für entgangenen Gewinn.
Warum scheitern Eigenversuche so häufig?
Viele Händler versuchen zunächst, die ASIN-Sperrung selbst zu lösen. Bei einfachen Compliance-Fällen kann das funktionieren. Bei IP-Beschwerden scheitern Eigenversuche jedoch regelmäßig, weil der Händler die zentrale Frage - war die Beschwerde berechtigt? - nicht juristisch beantworten kann. Eine Gegenvorstellung, die nur erklärt, warum das eigene Produkt keine Verletzung darstellt, ohne die Schutzrechtslage fundiert zu analysieren, überzeugt Amazon selten.
| Kriterium | Eigenversuch | Mit unserer Kanzlei |
|---|---|---|
| Schutzrechtsprüfung | Keine fundierte Einschätzung möglich | Vollständige Analyse der Marke, des Designs oder Patents |
| Gegenvorstellung | Oft abgelehnt mangels juristischer Substanz | Juristisch fundiert, mit Bezug auf Schutzrechtslage |
| Druck auf die Gegenseite | Kein Druckmittel | Abmahnung, einstweilige Verfügung, Schadensersatzklage |
| Schadensersatz | Entgangener Gewinn bleibt unberücksichtigt | Bezifferte Schadensersatzforderung |
| Langfristschutz | Keine Absicherung gegen Wiederholung | Strafbewehrte Unterlassung und Markenlöschung |
Die Ersteinschätzung ist kostenfrei. Auf Basis dieser Analyse unterbreiten wir Ihnen ein transparentes Angebot, damit Sie volle Kostenkontrolle behalten.
ASIN gesperrt? Jetzt kostenfreie Ersteinschätzung anfordern.
Kostenlose Anfrage- Kostenlos beraten
- Kein Risiko, 100% vertraulich
Nächste Schritte
Eine ASIN-Sperrung ist für professionelle Amazon-Händler ein ernstes operatives Problem - aber kein unlösbares. Die europäische Regulierung verpflichtet Amazon zu transparenten Verfahren, und die deutsche Rechtsprechung gibt Händlern zunehmend wirksame Instrumente an die Hand, um sich gegen unberechtigte Sperrungen und missbräuchliche IP-Beschwerden zu wehren.
Gerade bei Sperrungen durch Dritte ist die Frage, ob die zugrunde liegende Beschwerde berechtigt war, entscheidend für den gesamten weiteren Verlauf. Diese Einschätzung sollte nicht auf Basis einer Amazon-Standardmitteilung getroffen werden.
Der erste Schritt: Sichern Sie Ihre Unterlagen und senden Sie uns die Sperrungsmitteilung für eine kostenfreie und unverbindliche Ersteinschätzung. Auf dieser Basis sagen wir Ihnen offen, wie wir die Lage bewerten und welche nächsten Schritte jetzt sinnvoll sind.